Musik

Heinos Imagewandel – Vom Schlagerbarden zum Rockstar


Rekordverdächtig – Der rockende Heino stürmt die Charts

Wunder gibt es immer wieder. Das hat sich wohl auch Heino gedacht, als er seine Verwandlung vom Schlagerbarden zum Rockstar bekannt gegeben und sein neues Album „Mit freundlichen Grüßen“ die Spitze der Charts erklommen hat. Ob wunderbar oder sonderbar, der 74-jährige Heino polarisiert mit seinem Imagewandel und spaltet die Nation in Heino-Fans und Heino-Hasser.

Wie Heino die Nation rockt
Der Totenkopf ist sein neues Lieblings-Accessoire auf dem Weg zum coolen Rock-Opa: Das Symbol der Rockergemeinde steht für Auflehnung und Freiheitsdrang und ziert nicht nur Heinos E-Gitarre, sondern schmückt auch den rechten Ringfinger des weißblonden Volksmusikstars. Den zeigt Heino gerne in Boxer-Pose in die Kameras wie auf dem Cover seines neuen Albums. Dieses trägt den Titel eines Hits der Fantastischen Vier: „Mit freundlichen Grüßen“. Unter dem Albumtitel prangt provokant oder augenzwinkernd die signalgelbe Banderole „Das verbotene Album“.
Heino hat sich gut informiert über den gemeinen Rocker-Look: Coole Posen, Lederjacke mit Nieten, schwarze Sonnenbrille und das blonde Haar in Locken gelegt, so mischt Heino seine altbekannten Markenzeichen mit den Erkennungsmerkmalen der Rockkultur.

Mit Cover-Hits auf Erfolgskurs
Die Liste der gecoverten Künstler auf Heinos Album liest sich wie das Who is Who der deutschen Rock- und Popmusik. Von den Fantastischen Vier bis Rammstein, von Nena bis Stefan Remmler, Heino scheut sich nicht, den Klassikern der deutschen Popkultur eine ganz neue Klangfarbe zu geben. Seine markante Bariton-Stimme und das gerollte „R“ verleihen seiner Version des Songs „Junge“ von den Ärzten eine unfreiwillige Komik; so etwas liebt die Masse. Und wenn Heino das „Liebes Lied“ der Absoluten Beginner rappt, hat der Hörer die Wahl zwischen Lachflash oder Fremdschämen.

Dabei geht es Heino um die musikalische Neuinterpretation seiner persönlichen Lieblingshits. Das Album sei eine Hommage an die deutsche Rock- und Popmusik, so äußert sich das Label Sony Music, das mit dem Imagewechsel einer der berühmtesten Deutschen Erfolgsgeschichte schreibt: So verkaufte sich das Album online in den ersten drei Tagen öfter als je ein anderes deutsches Rockalbum.

Nicht alle Künstler fühlen sich geehrt, dass Heino ihr musikalisches Werk auf seine ganz eigene Art wertschätzt. Juristisch allerdings können sie nicht gegen ihn vorgehen: Da Heino die Songtexte und Melodien in seinen Interpretationen nicht geändert hat, sind rechtliche Schritte zwecklos.

Geschmackssache: Heinos Skandalalbum
Trotz oder gerade wegen des enormen Erfolgs seines Skandalalbums gehen die Kritiker nicht gerade zimperlich mit dem Schlagerbarden um. An vorderster Front ziehen die gecoverten Künstler selbst ins mediale Gericht. Ob getrübte Rockerehre oder bloßer Neid – dass Heino als Hassobjekt der Anti-Spießer nun die Frechheit besitzt, den Spieß umzudrehen und sich aus der Rockkiste der deutschen Neuzeit zu bedienen, lässt auch den coolsten Rocker aus der Haut fahren. “Kotzen” und “Erbrechen” sind die Vokabeln, mit denen die Metal-Band Rammstein ihrem Frust über Heinos Frechheit freien Lauf lässt. Die Runde machten auch die Worte des Frontsängers der Toten Hosen: Obwohl selbst nicht mit einem Heino-Cover beehrt, ätzte Campino, Heino sei „das Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit“. Über Geschmack lässt sich streiten, doch niveauvolle Kritik klingt anders.

Auf die Lästerattacken seiner Rockkollegen reagiert Heino mit fachlicher Kritik:
Er sei in der Lage, drei Oktaven zu singen im Gegensatz zu den Rockern, die nur eine schaffen.
Wahre Coolness zeigen Stars wie die Fantastischen Vier, die auf ihrer Facebook-Seite dem neuen Alt-Rocker Glück wünschen.

Heino

„Mit freundlichen Grüßen“
Final Thoughts

Heino hat mit seinem Überraschungserfolg sowohl seine Schlagerfans als auch das junge Partyvolk überzeugt. Das beweisen die Rekordergebnisse, die sein Album „Mit freundlichen Grüßen“ einfährt. Umso erzürnter erheben sich die Stimmen seiner Kritiker und heizen die Debatte um den Schlageropi, der auf Rocker macht, weiter an. Davon lässt sich Heino nicht beirren: Er bleibt cool - so wie es sich eben für einen Rocker gehört.

Overall Score 1.5 „Mit freundlichen Grüßen“
Readers Rating
1 votes
0.5